Montag, 31. Dezember 2012

Jahresrückblick 2012

Mein Jahr 2012. Ja.
Zum Ende des Jahres beginnt man, sich zu fragen, was hat es uns denn gebracht, das vergangene Jahr. Was ist geschehen? Was hat uns bewegt? Uns gestärkt, uns reifer gemacht? Uns zu Tränen gerührt, uns an den Rand unserer Kräfte gebracht?

2012 war so ein Jahr. Ein Jahr, in dem es viel um alle anderen ging. Wenig um mich. Ich habe mich ein Stück weit auf dem Weg verloren und will mich gerne wiederfinden. 
Silvester vor einem Jahr. Unsere Frechdächsin war gerade knapp 2 Monate alt. Und ich kann rückblickend sagen: Ja, sie war irgendwie ein Schreikind. Aber sie hatte es auch nicht leicht, ist sie doch mit einer Lippenspalte auf die Welt gekommen. Deshalb wohl auch die Schreiattacken, von den Bauchschmerzen, die sie durch das Schlucken von Luft durch ihre Spalte bekommen hat. Meine Theorie. Ich war also Abend für Abend für sie da, tröstete, streichelte, gab ihr Sicherheit. 

Vor ihrer Geburt hatten wir entschieden, dass es an der Zeit war, ein Häusle zu bauen. Im Februar 2012 begannen die Arbeiten. Und so war ich neben den Kindern, der Erziehung und dem Haushalt nun auch zur Managerin unseres Hausprojektes geworden. Richtfest Anfang März. 

Das nächste große Ereignis war der 50. Geburtstag meiner Mutter. Die Kinder sollten außer Haus nächtigen, bei dem Trotzkokpf kein Problem, für die Kleine war es das erste Mal. Und natürlich standen ich und meine Milchkanister auf Abruf bereit (ich habe zu dem Zeitpunkt noch gestillt, das Baby wollte die Flasche nicht im geringsten). So kam es, dass wir sie nachts völlig ausgehungert abgeholt und mit nach Hause genommen haben. 

Wenige Wochen später ging es für mich und die Frechdächsin ins Krankenhaus. Ihre Lippenspalte wurde verschlossen, mit knapp 5 Monaten. Und ich muss sagen, das Baby vom Narkotikum umnebelt in die Ophut fremder Menschen zu geben, denen man für die nächsten Stunden völlig Vertrauen musste, war der schwierigste Moment in meinem Leben. Die kommenden 3 Stunden warten, bangen, hoffen. Das verlangte sehr viel Kraft. Zum Glück hatte ich den Soldaten an meiner Seite. 
Es ist alles gut verlaufen, und wir konnten nach 8 Tagen das Krankenhaus wieder verlassen. Diese 8 Tage, in denen es viel Geheule, wenig Schlaf und sehr schlechtes Essen gab, waren sehr anstrengend. Und ich habe mich ernsthaft gefragt, wieso man einer stillenden Mutter keinerlei Obst oder Gemüse serviert. Wieso man zwei frisch operierte Babys zusammen in einem Zimmer schlafen lässt ...

Kaum Zuhause angekommen ging es weiter im Programm. Fliesen mussten ausgesucht werden, Bodenbelege etc. Koordination so weit das Auge reichte. 

Trotzköpfchens Spielkreisjahr ging zuende, es wurde abgestillt, und die Sommerferien kamen. Nun folgte der große Umzug ins Eigenheim. Projekt Häuslebauen war so gut wie abgeschlossen. Und das haben wir auch oder vor allem dem Ehesoldaten zu verdangen, der seine 3 Monate Elternzeit neben der Kinderbetreuung den Wänden und den Fußböden in unserem neuen Haus gewidmet hat. 
Seit dem Umzug hat sich vieles gebessert und vereinfacht. Wir haben mehr Platz, die Kinder können sich austoben, jeder hat sein eigenes Zimmer - wir fühlen uns sehr wohl. 

Mennes 30. Geburtstag stand an. Und wir haben es gleich zum Anlass genommen, unser Haus einzuweihen. Große Party also. 
Der Kindergarten bei der Großen ging los. Wieder eine Umstellung. Freunde kamen, Freunde gingen. Alte Freunde tauchten wieder auf, und zwischendrin ein wenig Beständigkeit (an dieser Stelle "Danke, Frau Peta"). 

Es war ein turbulentes Jahr 2012. Und es ging viel um alle anderen. Wenig um mich. Ein Vorsatz für das nächste Jahr ist, dass ich mich wiederfinden will. Besser: die neue Jenne entdecken will! Viel mehr Zeit für mich, mehr auf meine Bedürfnisse achten. Wir weden sehen, wie sich das vereinbaren lässt mit dem Einsatz und mit uns Mädels allein im großen, neuen Haus. Ich bin gespannt der Dinge, die da kommen mögen. 


Sonntag, 30. Dezember 2012

Die etwas andere Sichtweise

Gestern Abend hatte der Ehesoldat noch Besuch. Seine Kumpels waren auf ein Bierchen da - alles übrigens Nicht-Soldaten. Unter den "Jungs" war auch ein Zweifachpapa und ein werdender Papa. Und ich als einzige Frau dazwischen. :)

Nun trug es sich also zu, dass sich der werdende Papa mit dem Zweifachpapa über das Thema "Geburt" unterhielt. Die Frau ist im 8. Monat schwanger, und das große Ereignis naht ja quasi. Ich fand es doch sehr interessant, um nicht zu sagen amüsant, wie Männer dieses Szenario wahrnehmen und beurteilen (der Ehesoldat hat sich nie richtig darüber geäußert, was er bei den Geburten unserer Mädels empfunden hat). So kamen dann Äußerungen wie: "Das ist nicht wie im Fernsehen, großes Gefühlskino und so." - "Das kommt da raus, und du denkst nur Hmmpf." - "Du hast das nicht gleich lieb und freust dich auch nicht. Es ist nur ein Baby. Es ist nicht mal hübsch." - "Die emotionale Bindung kommt erst später."  

Frauen nehmen das doch etwas anders wahr - wir tragen unser Baby schließlich 10 Monate im Mutterleib, können es spüren, bauen bereits eine Bindung auf. 

Schön fand ich auch die Frage: "Woher weiß ich denn, wann wir ins Krankenhaus fahren müssen?" Die Antwort promt: "Nicht du, SIE weiß es. Wenn sie es sagt, fährst du los." Es ist doch sehr interessant, das ganze mal aus der anderen Sichtweise präsentiert zu bekommen.

Das Ereignis Geburt ist das beeiendruckendste, was ich bisher erlebt habe. Beim Trotzköpfchen war es ein Kaiserschnitt. Nicht, weil ich es so wollte, sondern weil es aufgrund einer Schwangerschaftsvergiftung in den letzten Wochen sein musste. Das war ernüchternd. Und überhaupt nicht emotional. Es war eben eine Operation, mehr nicht. Obwohl ich geistig anwesend war (ich hatte keine Vollnarkose), war es nichts besonderes. Ich hörte das Baby nicht schreien, ich konnte es nicht mal lange betrachten. Sie wurde sofort mit dem Papa und der Hebamme zum Kinderarzt und zur U1 gebracht.

Beim zweiten sollte es anders werden, hatte ich doch sehr darunter gelitten, das Trotzköpfchen nicht spontan auf die Welt bringen zu können. Ich als Erstgebärende hatte ja noch immer keine Ahnung, wie sich Wehen tatsächlich anfühlen. :) Eine spontane Geburt ist zwar um einiges schmerzhafter, aber dennoch tausendmal schöner und emotionaler. Und ich will diese Erfahrung in meinem Leben nicht missen wollen.

Am meisten hat mich beeindruckt, dass der Körper alles alleine macht. Man kann gar nicht anders, man macht einfach. Aber das ist ja auch logisch, schließlich gebären Frauen seit tausenden von Jahren ihre Kinder.

In diesem Sinne:
"Wer sagt, es gibt sieben Wunder auf dieser Welt, hat noch nie die Geburt eines Kindes erlebt.
Wer sagt, Reichtum ist alles, hat nie ein Kind lächeln gesehen.
Wer sagt, diese Welt sei nicht mehr zu retten, hat vergessen, dass Kinder Hoffnung bedeuten."
- Dieter Kellermann

Samstag, 29. Dezember 2012

Ganz viel uns


Weihnachten in unserer "Villa Kunterbunt" war dieses Jahr sehr ruhig und entspannt, im Gegensatz zu den letzten Jahren, in denen es von einem Essen zum nächsten ging. Frühstück bei Oma hier, Mittag bei Opa dort und Kaffee trinken auch noch bei Muttern - so oder so ähnlich. Wir waren kaum zuhause. 

Nicht aber dieses Jahr. Heilig Abend hatten wir, wie auch schon die letzten 2 Jahre, die Omas und Opas zu uns kommen lassen. Schließlich kommt der Weihnachtsmann ja zu den Kindern nach Hause, nicht irgendwo anders hin. Die Geschenke waren dementsprechend zahlreich! Die Mädels überglücklich und völlig aus dem Häuschen bei all den neuen Sachen.

Weihnachtstag 1 und 2 haben wir ruhig im Wohnzimmer unter dem Baum verbracht. Die Kinder mit ihren Spielsachen beschäftigt, und wir hatten ganz viel uns. Gemeinsam. Nur wir 4. 

Diese "Wir-Momente" sind mit einem Soldaten als Ehemann und Papa viel zu selten, und deshalb sind sie umso besonderer und wertvoller. Sie entschädigen einen für zahlreiche einsame Stunden, allein gefällte Entscheidungen oder manchmal auch einfach nur Verzweiflung und Angst. Und wenn einem dann auch noch der Schatten namens "Auslandseinsatz" im Nacken sitzt ... dann genießt man die gemeinsamen Stunden viel intensiver. 

Ich bin dankbar für dieses Weihnachten.

Freitag, 28. Dezember 2012

Danke


Genau so. Wunderschön.

Und im Hinblick auf den nahenden Einsatz kommen sie wieder, die stillen und heimlichen Tränen.
Die Gedanken und die Ungewissheit, wie wir es diesmal überstehen werden, wie wir den Einsatz meistern.
Es wird, das weiß ich - irgendwie ...

Dienstag, 25. Dezember 2012

Frohe Weihnachten!

Ich wünsche allen frohe und besinnliche Weihnachten im Kreise der Lieben!

Meine Gedanken sind aber auch bei all denen, die in diesen Tagen nicht Zuhause sein können. Kommt gesund und munter wieder! Oder bei denen, die das IN nur knapp vor sich haben. Ich hoffe, ihr könnt die Tage noch genießen!

Auch den Familien, den Daheimgebliebenen, schöne Festtage, viel Kraft und Zuversicht und ein wunderbares Wiedersehen in 2013!

Unser Weihnachten ist bisher sehr schön. Der Einsatzschatten ist soweit verdrängt, und wir können die gemeinsame Zeit genießen. Wir denken nicht an den bevorstehenden Einsatz. Na ja, jetzt gerade schon. Aber der ist noch weit hin ... Und ich bin sehr dankbar dafür! :)



Habt eine schöne Zeit!

Sonntag, 23. Dezember 2012

Weihnachten funkt's!

Immer kurz vor Weihnachten muss ich dran denken. Erster Weihnachtstag vor 9 Jahren. Da hat's gefunkt, ordentlich, bei mir. 

Den Soldaten kannte ich schon eher. Noch aus der Schule. Und eigentlich war er auch gar nicht mein Typ. Tabu für mich sogar, da er der Bruder einer guten Freundin war und immer noch ist. 
Schließlich kam der erste Weihnachtstag, und traditionell geht man an diesem Tag in unsere Dorfdisco. Meine Mädels und ich also auch. Es war das erste Jahr nach dem Abitur, und man traf viele ehemalige Mitschüler wieder, die zum Studium aus der ländlichen Idylle ins weite Deutschland geflohen sind. 

Die Disco war voll bis obenhin, Gedränge und Enge und schlechte Luft. Mitten drin stand er, der Soldat. Und da wir uns kannten, begruessten wir uns auch. Wir standen also dicht aneinander gedrängt und unterhielten uns. Seine Augen waren so dunkel und schön. Er roch gut. In diesem Moment hat es bei mir ordentlich gefunkt, und es war egal, ob er nun der Bruder meiner Freundin war oder nicht. Ich wusste: Diesen oder keinen!

Zusammen gekommen sind wir erst ein halbes Jahr später, weil ich ihn, damals schon Soldat, kaum zu sehen bekommen habe. Und ganz ehrlich: Ich habe mich vorher nicht getraut, ihn anzurufen. Aber das ist eine andere Geschichte. ;)

Samstag, 22. Dezember 2012

Wo?

Ja, wo war er denn, der Weltuntergang gestern? Es läuft noch alles. Es funktioniert. Wir sitzen noch immer in unserer wundervollen "Villa Kunterbunt" und machen weiter. Zum Glück. 

Ich glaube ja eigentlich nicht an so einen abergläubischen Quatsch, an Weltuntergangsszenarien, nur weil der Mayakalender eben am 21. Dezember 2012 endet. Und doch war da gestern ganz tief in mir drin dieses kleine Glühen, das man Angst nennt. Nur ganz klein. 
So ertappte ich mich morgens bei dem Gedanken, ob ich das Trotzköpfchen in den Kindergarten bringen solle. Es würde mir das Herz brechen, wenn wir nicht zusammen sein könnten, wenn die Katastrophe losbricht. Da will man doch alle seine Lieben um sich haben. Natürlich hab ich sie hingebracht, war ja Weihnachtsfeier mit vielen Schmoeckereien und so. Und eigentlich glaubte ich ja auch nicht, dass irgend etwas passieren würde. 

Als ich dann den Großeinkauf für das bevorstehende Fest gemacht hab, kam ein neuer Gedanke. Erst beim Blick auf den Kassenbon. Das wäre ja jetzt schade, wenn gleich die Welt zusammenbricht. Dann hab ich so viel Geld für nichts ausgegeben. Und vorher noch den ganzen Stress im viel zu überfüllten Essenstempel. Aber falls doch und meine kleine Familie überlebt, dann haben wir für die erste Zeit der Dunkelheit genügend zu essen! Der ganze Kofferraum war nämlich voll. 

Der schönste Kommentar gegen Mittag war dann: "Das ist ja wie bei der Deutschen Bahn. Der Weltuntergang hat schon 9 Minuten Verspätung." Vielleicht fiel er ja einfach ganz aus?

Abends blickte ich dann selig auf die schlafenden Kindergesichter. Es geht alles weiter wie immer. In der Früh würden sie gedämpft aus der Frechdaechsin Zimmer tönen und zusammen spielen.