Mittwoch, 20. Februar 2013

Tag 2: Der erste Abend

Der erste Abend ohne Papa gestaltete sich gestern etwas schwierig. Vielleicht, weil das Trotzköpfchen total übermüdet war, vielleicht, weil sie die Eindrücke vom langen Tag verarbeiten musste, vielleicht aber auch, weil ihr bewusst wurde, dass Papa wirklich nicht nach Hause kommt. Jedenfalls war sie nur am heulen. Sie heulte, weil sie den Schlafanzug alleine anziehen sollte (das macht sie sonst auch), sie heulte, weil sie alleine in ihrem Zimmer blieb, als ich die Kleine ins Bett gebracht habe. Dann wurde geheult, weil sie sich plötzlich den falschen Sticker für ihren Kalender ausgesucht hatte und und und.
 
Schließlich endlich im Bett angekommen: "Mama, du musst das aber so machen, wie Papa das immer macht." Ein Schlag ins Gesicht, aufsteigende Tränen - und verdrängen. Küsschen hier, Küsschen da. Lange gekuschelt und gestreichelt. Dann durfte ich das doch so machen, wie MAMA das immer macht, mit dem Gute-Nacht-Lied. Und dennoch weinte sie sich kurz in den Schlaf.
 
Endlich auf der Couch angekommen, starrte ich matt vor mich hin. Und war überrascht, wie ruhig ich doch eigentlich blieb. Mein Kopf hat vielleicht noch nicht ganz begriffen, dass die nächsten Monate etwas sehr wichtiges fehlen wird.
 
  

Dienstag, 19. Februar 2013

Vom Abschiednehmen

oder: Tag 1 ohne den Ehesoldaten.

 "Ich hab' den Verstand verloren.
Blinde Augen,
Taube Ohren,
Stumme Lieder,
Leere Bücher,
Pfeifen, Flaschen, Taschentücher.
Und wir rennen um unser Leben
Du davon und ich entgegen.
Ich würd' dich gern morgen seh'n
Wenn's das gäbe wär das schön."

- Jupiter Jones

 
Heute Nacht um 4 Uhr war es soweit. Wir verabschiedeten uns für ein knappes halbes Jahr Afghanistan. Und es war weniger schlimm als beim ersten Mal. Dennoch:


Wir hielten uns fest, flüsterten Liebesschwürde und "Alles wird gut"-Parolen, küssten und umarmten uns. Und dann war er fort, der Flur, das Haus so unendlich leer. Ich kroch zurück ins Bett - und ich war allein. Hier konnte ich für eine Weile zusammenbrechen, mich ganz der Trauer, der Leere hingeben. 

Die Tränen sind versiegt, am Morgen funktionierte mit den Mädels alles so wie immer. Diese Woche bin ich relativ gut eingespannt. Und ich kann endlich anfangen zu zählen. Lieben - Hoffen - Bangen - Sehnen. Ich kann etwas tun!



Sonntag, 17. Februar 2013

Vom Damm ...

Der Damm ist gebrochen - und das Wasser fließt und fließt.

Wir haben ein langes Wochenende des Abschiednehmens hinter uns. Familie und Freunde haben "Mach's gut" gesagt. "Komm heile und gesund wieder. Und melde dich mal." Und ich stand jedes Mal halb tränenverschmiert daneben und dachte: Oh je, das haben wir auch noch vor uns!

Die ganze Zeit war ich stolz auf mich. Keine Heulattacken, keine Wehklagen. Jetzt aber, da der Moment des Abschiednehmens immer näher rückt, unaufhaltsam näher, kann ich es auch nicht länger zurückhalten. So heulte ich im Prinzip das ganze Wochenende. Bei jedem Wort über die Abreise, über Afghanistan, über "Melde dich mal" und "Wir kümmern uns um deine Frau" drohte der Damm zu brechen, riss ein und brach schließlich ganz.

Wenige gemeinsame Stunden bleiben uns noch ... Aber ich möchte am liebsten schreien, mich ganz dem schrecklichen Gefühl hingeben und zusammenbrechen. Bald ist es soweit.

Freitag, 15. Februar 2013

Aktion 11

Ich wurde von The Mama getaggt, bei der “Aktion 11″ mitzumachen.
Die Aktion 11 funktioniert so:
  • » schreibe 11 Dinge über dich
  • » beantworte die 11 Fragen, die dein Tagger gestellt hat
  • » denke dir selber 11 Fragen aus, die du stellen möchtest
  • » suche dir 11 Blogger aus (möglichst unter 200 Follower) und tagge sie
  • » erzähle es den glücklichen Bloggern
  • » zurück taggen ist nicht erlaubt
  • » setze bitte den Link zu deinem Beitrag unten ins Kommentarfeld
Kommen wir also zu den 11 Dingen über mich.

1.) Ich lese gerne Bücher, bevorzuge noch das Buch in der Hand.
2.) Ich habe Germanistik studiert.
3.) Schreiben tu ich für mein Leben gern!
4.) Ich bin auf der Chinesischen Mauer spazieren gegangen.
5.) Schokolade ist mein Laster.
6.) Ich werde noch dieses Jahr 30!
7.) Am liebsten trinke ich Schorle.
8.) Ich war schon einmal in einer der Pyramiden von Gizeh.
9.) Ägyptische Geschichte fasziniert mich.
10.) Ich würde gerne einmal an einer archäologischen Ausgrabung teilnehmen.
11.) Ich würde gerne ein (Kinder-) Buch veröffentlichen. 

Fragen von The Mama an mich:
1. PC oder Mac?
PC
2. Was ist dein Lieblingsgericht?
Gyros von Schwiegermuttern!
3. Stadt oder Land?
Land
4. Wohin möchtest du gerne mal reisen?
Da gibt es so viele Orte, die mich interessieren würden. Geschichtsträchtig muss es sein! Zu den Pyramiden in Mexiko vielleicht!
5. Hund oder Katze?
Lieber Katze.
6. Kannst du nähen und wenn ja, was nähst du gerne?
Leider nein!
7. Milch, Kaffee oder Tee?
Manchmal Kaffee, manchmal Tee. Das ist stimmungsabhängig.
8. Wie kannst du am besten abschalten?
Beim lesen.
9. Wasser oder Süssgetränk?
Schorle!
10. Schon von Reboarder Kindersitzen gehört und wie ist deine Meinung dazu?
Nie was von gehört, bisher!
11. Normales Buch oder eBook und was liest du gerade?
Normales Buch. "Das flammende Kreuz" von Diana Gabaldon.

11 bzw. 8 Blogs, die ich interessant finde:
Meine Heimatfront
Mia und die Lausbuben
herzkindgeschichten
Zwischen Windeln und War
Die Flohbande
(b)engel wanted
Der Dienstherr und wir
sonea sonnenschein

Meine Fragen an euch: 
1.) Wovon hast du als Kind geträumt?
2.) Seit wann bloggst du?
3.) Wie oft schaffst du es zu bloggen?
4.) Schon mal in den Wald zum ‘Scheiße’ brüllen gegangen?
5.) Wohin möchtest du gerne mal reisen?
6.) Normales Buch oder eBook und was liest du gerade?
7.) Was ist dein Lieblingsgericht?
8.) Wenn du an Kinder denkst, was fällt dir ein?
9.) Wie kannst du am besten abschalten?
10.) Dein liebstes Hobby?
11.) Kaffee oder Tee?

Ich bin gespannt auf eure Antworten!
Jenne!!
 

Auf nen Kaffee


haben wir uns heute gedacht und einfach mal Pause vom Alltag gemacht ...    :)

Donnerstag, 14. Februar 2013

"Papa war weit weg"










von Daniela Malz.

Das Buch habe ich bestellt, um das Trotzköpfchen auf den Afghanistan-Einsatz vom Papa vorzubereiten. Und gestern ging es los. Wir haben gedacht, wir wollen die Mädels nicht zu früh damit belasten, und so beginnen wir erst in der letzten Woche vor Abflug mit der Vorbereitung. 

Ein Junge, Nero, erzählt vom Afghanistan-Einsatz seines Vaters und darüber, wie er und seine Mutter die Abwesenheit des Vaters erlebt haben. Beginnend mit dem Abschied und einer Methode, wie der kleine Junge die vielen Tage zählen kann (Sterne auf eine Wolke kleben), wird dann vom Alltag von Mutter und Kind erzählt. Sie können per Videotelefonie mit dem Papa kommunizieren, sie packen Pakete ...


Auch machen sie einen Ausflug zum Familienbetreuungszentrum der Bundeswehr. Und schließlich kommt der Tag, an dem Papa heimkehrt. Mama und Sohn fahren zum Flughafen und holen Papa ab. 


Ich persönlich finde das Layout des Buches nicht sonderlich ansprechend, aber es erfüllt seinen Zweck, ist einfach und kindgerecht geschrieben. Für alle diejenigen, die mit mehr Details über den Einsatz ihre Kinder versorgen wollen, ist das Buch allerdings nicht geeignet. Was die Soldaten im Einsatz (wo auch immer - das wird hier nicht thematisiert) machen, wird auf sich darum kümmern, "dass die armen Menschen Straßen, Brücken, Schulen und Brunnen mit frischen Wasser zum Trinken bekommen" (Vgl. Daniela Malz) reduziert. Für Kinder im Kindergartenalter werden diese Informationen reichen, für unsere zumindest, denn ich finde, mehr brauchen meine Kinder nicht zu wissen. Sie sollen sich nicht auch noch Sorgen um den Papa machen müssen.
   
Das Trotzköpfchen hat keine wirkliche Reaktion gezeigt - und ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Höchstwahrscheinlich kommt in den nächsten Tagen irgendein Kommentar oder ähnliches. Sie wird es erstmal für sich verarbeiten müssen. Und wir lassen sie.

Der Buchtipp:
Daniela Malz: Papa war weit weg. Borsdorf 2012.
ISBN 978-3-86468-139-4

Und jetzt noch eine Sache im eigenen Interesse (Katharina hat mich darauf gebracht): Wie erleichtert ihr euren Kindern die langen Tage der Abwesenheit des Papas? Das Bonbonglas (Anzahl der Bonbons = Anzahl der Einsatztage) hab ich bereits fertig! ;)

Mittwoch, 13. Februar 2013

Ein weinendes Auge

Dem Trotzkopf fiel gestern ein: "Wenn Papa weg ist, wenn er ganz lange arbeiten ist, dann kann der mich ja gar nicht mehr ins Bett bringen." Hammerharte Feststellung, sehr gut geschlussfolgert. 
Ich also als fürsorgliche Mutter: "Nein, mein Schatz, das muss Mama dann machen." 

"Aber wenn Papa dann weg ist, dann kann der mir auch gar keine vielen Küsschen mehr geben!" Die Verzweiflung und das Begreifen, was der Einsatz und die damit verbundene Abwesenheit des Heldenpapas unmittelbar für sie bedeutet, nahmen spürbar zu. 
Und auch hier war meine Antwort: "Nein, mein Schatz, das muss Mama dann auch machen." Dabei hatte ich alle Mühe, die aufsteigenden Tränen zu verdrängen. 

Einen Blick auf den Ehesoldaten verriet mir, dass auch er damit zu kämpfen hatte.